Sonntag, 30. Oktober 2011

Worte

"Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider, als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt!" (H. Hesse)
Wer bin ich?
Ich halte mich für einen bestimmten Menschen, jedoch stimmt diese Annahme oft nicht mit dem überein, was andere Menschen über mich denken. Meine Gedanken sind nicht immer das, was ich nach außen hin von mir gebe; und meine Taten entsprechen nicht immer meinen eigentlichen Wünschen.
Diese Differenz wird im Laufe meines Lebens immer größer: Denn je älter ich werde, desto mehr Zeit werde ich gehabt haben, um nachzudenken - und damit letzten Endes mein Innerstes von der Außenwelt abzugrenzen. Ich könnte niemals den Menschen nach außen hin vertreten, der sich tatsächlich in mir erstreckt.
Ich denke meist vielschichtig, auf mehreren Ebenen; fühle gleichzeitig unterschiedlichste emotionelle Regungen aus meinem Innersten; und zusätzlich strömen Umwelteinflüsse auf mich ein, wodurch das Produkt all dieser Faktoren niemals durch den Bruchteil meiner Selbst – nämlich durch das, was ich durch mein äußeres Verhalten von mir zeige – komplett nach außen hin abgedeckt werden könnte.
Immerhin - so müsste man meinen - kenne ich das, was ich nach außen hin zeige, da es ja immerhin ein Teil von mir ist; jedoch ist das, was bei den anderen Menschen ankommt nicht zwingend das, was ich tatsächlich beabsichtigt habe: Folglich kenne ich nicht einmal den Menschen, den ich nach außen hin zeige. Ich weiß nicht, wer ich in der Außenwelt bin – und die Außenwelt weiß nicht, wer sich hinter dem äußeren Anschein verbirgt.
Keiner kennt den anderen; und die Welt ist ein seltsames Konstrukt voller subjektiver Empfindungen.






1 Kommentar:

  1. Das alles zeugt von größter Selbstreflexion.
    "Ich weiß, dass ich nichts weiß", wusste schon Sokrates. Was du hier beim Namen nennst ist die Einsicht, die ich bei vielen Menschen vermisse. Zu sehr davon überzeugt zu sein, klar ständig die Kontrolle zu behalten ist ein Indiz für Egozentrik und verschafft einen gefährlichen Tunnelblick. Du bist dir darüber im Klaren, dass man, schon alleine wegen des Unsteten der menschlichen Natur, immer hinterfrage muss "was tue ich hier und warum?" und damit in der Position, das auch zu nutzen.
    Darauf, chapeau!

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